Zur Landkarte Bistum

Informationen

Donnerstag, 07. Mai 2020

Es blüht der Blumen eine...

Als ich diese Woche in der Feilbingerter Kirche war und die mit Blumen geschmückte Marienfigur sah, fiel mir ein altes Marienlied wieder ein, das während meiner Kindheit in den Maiandachten gesungen wurde:

Es blüht der Blumen eine auf ewig grüner Au,
wie diese blühet keine soweit der Himmel blau.
Wenn ein Betrübter weinet, getröstet ist sein Schmerz:
Wenn ihm die Blume scheinet ins leidenvolle Herz.

Ich selbst kenne das Lied nur mündlich überliefert und mit der Schreibmaschine getippt. Die Zettel wurden von unserer damaligen Küsterin meiner Heimatgemeinde verteilt ohne Quellenangabe.
Im Internet habe ich herausgefunden, von wem und woher es stammt:
„Marienlieder zur Feier der Maiandacht gedichtet von Guido Görres. Rom im Mai 1842“ offenbar wurde der Text, der mit „Die Marienblume“ überschrieben ist, auch mehrfach vertont. Die bekannteste Version von Anselm Schubiger (1815-1888) war wohl bis in die 50er Jahre ein sehr beliebtes Wallfahrtslied mit insgesamt vier Strophen.

Ich erinnere mich, dass ich den Text als junges Mädchen furchtbar kitschig fand, aber das Lied wurde von unserer Anna-Tante (o.g. Küsterin) mit solcher Innigkeit gesungen, dass es wirklich anrührend war.
Auch heute noch wirkt der Text auf mich altertümlich und befremdlich. Es ist die Sprache der Romantik, die in unserer heutigen nüchternen Zeit so unpassend wirkt.
Es wird ein sehr verklärtes und liebliches Marienbild gemalt, während mich die eher die mutige und selbstbewusste Seite Marias anspricht, die sich mit Gottes Hilfe zugetraut hat die Mutter Jesu zu sein und seine Menschwerdung mit ihm durchzustehen.

Offenbar war unser Gottes- und Kirchenbild in der Vergangenheit (und bis heute?) zu männlich und zu nüchtern geprägt, zu wenig einfühlsam und liebevoll, so dass Maria in der Sehnsucht der Menschen diese Lücke füllen und Trost spenden konnte:
Sie war Frau und Mutter – und hat Not und Flucht erlebt und kennt die Sorge ums Kind.
Sie war meist zurückhaltend und im Hintergrund – aber von der Seite Jesu und aus der Mitte der Jünger nicht wegzudenken.

Göttlich ist Jesus durch seinen Vater, aber menschlich wurde er durch seine Mutter und diese Menschlichkeit brauchen wir zu allen Zeiten.

Wir brauchen etwas für unser Herz und unser Gemüt, etwas das Licht und Wohlgeruch in unser Leben bringt: ein Lächeln, ein nettes Wort oder eine Blume die blüht,…
Das bringt Freude, Trost, Ermutigung, Hoffnung und berührt uns in unserem Herzen, so wie es dieses alte Lied offenbar bei vielen bewirkt hat.

Für mich ist es – wie noch andere Marienlieder und Mariengebete - eine Kindheitserinnerung die mich begleitet und zu mir und meiner persönlichen Glaubensgeschichte dazugehört.

(Jutta Zwehn-Gaul)

Anzeige

Anzeige